Interview vom Juli 2022 in der WAZ

Aktuell

Neues Betreuungszentrum

Ab 1. Oktober wird das ehemalige Spital und spätere Pflegezentrum an der Asylstrasse unter der Leitung von Raphael di Gallo Menschen mit psychischen Erkrankungen aufnehmen. Die Renovationen im Bereich Brandschutz sind abgeschlossen, Böden und Wände werden teilweise erneuert.

Bis zu 50 Menschen, die ihren Alltag nicht alleine meistern können, aber kein Gewaltproblem haben, finden im neuen Betreuungszentrum ein langjähriges Zuhause. Dessen künftiger Leiter Raphael Di Gallo konnte mit der Eigentümerin der Liegenschaft, der Stiftung Drei Tannen, einen langfristigen Mietvertrag abschliessen. Die Finanzierung ist mittels Pflege-, Hotellerie- und Betreuungstaxe gesichert, da die Firma ab Oktober 2022 auf der kantonalen Pflegeheimliste steht.

 

Der Mensch im Fokus
«Mit dem Namen Kurt Ansbach startete mein Grossvater ins Leben und mit AnsbachCare starte ich nun in die Selbständigkeit», erklärt Raphael di Gallo (31). Dazu etwas Familiengeschichte: Der Grossvater, Kurt Ansbach, wurde 1938 in Österreich als Sohn eines Juden geboren. Als die Nationalsozialisten dort einmarschierten, mussten seine Eltern fliehen. Kurt blieb jedoch bei seiner Grossmutter und nahm deren Namen «di Gallo» an. Später gründete der Grossvater die Kurt di Gallo Holding AG, eine Dachorganisation, welche sich die Pflege und Betreuung von körperlich oder psychisch beeinträchtigten Menschen jeden Alters zur Aufgabe setzt. Heute zählen rund ein Dutzend Unternehmen der Ostschweiz und des Tessins zur Gruppe, so auch das «Tabor» in Wald.

«Die Geschichte meines Grossvaters zeigt auf, wie wichtig es ist, andern Menschen zu helfen, und sie ist ein Beweis dafür, dass man trotz Schicksalsschlägen und schwierigen Bedingungen ein erfülltes Leben führen kann», erklärt sein Enkel. Dieser absolvierte vorerst eine Lehre als Landwirt, arbeitete dann in der Betreuung auf einem zur Gruppe gehörenden Bauernhof und nahm in den folgenden Jahren zunehmend Führungsaufgaben im Familienunternehmen wahr, zuletzt als CEO und Gesamtverantwortlicher für mehrere Pflegestationen mit 600 Mitarbeitenden. Das Know-how dazu hat er sich autodidaktisch beigebracht.

Das Konzept
Mit einem vielfältigen Therapie- und Freizeitangebot erhalten die Bewohnerinnen eine Tagesstruktur, die es erlaubt, Autonomie und Selbstverantwortung zu entwickeln, eigene Ressourcen zu nutzen und mit allen Sinnen aktiv am Leben teilzunehmen. Im hauseigenen Fitnesscenter sind sportliche Aktivitäten geplant. Ausserdem stehen Gesellschaftsspiele, Ausflüge, handwerkliche Arbeiten und die Mitarbeit im Haus und auf dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb in Hinwil auf dem Programm. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt und die jeweilige Bezugsperson wird mit der Bewohnerin einen Wochenplan erarbeiten und dessen Umsetzung begleiten. Dabei soll unbedingt der Kontakt zum sozialen Umfeld – soweit vorhanden – in den Alltag integriert werden. Das Unternehmen hat keine religiöse oder politische Ausrichtung, jedoch klare Wertvorstellungen wie Rücksicht, Respekt und Kommunikation auf Augenhöhe.

Neue Arbeitsplätze
AnsbachCare schafft 40 bis 50 neue Arbeitsplätze in Pflege, Betreuung, Therapie und Verwaltung. Zum Team zählen auch ein Psychiater und eine Ärztin für Innere Medizin. Anfang August waren 17 Personen eingestellt, neun davon mit einer Tertiärausbildung in der Pflege, was überdurchschnittlich ist. Erfreulich ist auch, dass ein grosser Teil der Bewerbenden in Wald wohnt. Seitens der Bewohner sind einige Anmeldungen eingetroffen, doch diese kämen erfahrungsgemäss eher kurzfristig, so di Gallo. Kooperationen mit anderen Institutionen sind geplant. Insbesondere im Bereich der Mahlzeitenzubereitung steht AnsbachCare mit einigen Anbietern der Region im Gespräch, denn aufgrund der moderaten Betriebsgrösse wird keine eigene Küche betrieben. Mit der Gründung einer Einkaufsgemeinschaft ermöglicht es AnsbachCare andern Unternehmen, ihre Kosten zu optimieren. Di Gallo und sein Team werden die Integration des neuen Betreuungszentrums im Dorf aktiv fördern und für Fragen und Anliegen aus der Bevölkerung stets ein offenes Ohr haben.

Irene Lang – WAZ 7/2022

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